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Details fuer Magisterarbeit in der Sportwissenschaft - Adipöse Kinder im Sport von Jan-Hendrik Kummert
ObjektWert
NameMagisterarbeit in der Sportwissenschaft - Adipöse Kinder im Sport von Jan-Hendrik Kummert
Beschreibung

Magisterarbeit in der Sportwissenschaft - Adipöse Kinder im Sport- veröffentlicht von dem Sportwissenschaftler Jan-Hendrik Kummert zur Erlanges des Magister Artium Titels

- Auswirkungen einer ambulanten Therapie von übergewichtigen Kindern-

mobydick_adipöse kinder sportDie adipösen und übergewichtigen Kinder werden in einer ambulanten Langzeittherapie durch besondere Ernährung und Aktivität (Sport) auf einen gesunden, besseren Weg gebracht.

Die Untersuchung stützt sich auf Kinder und Jugendliche des Moby Dick Netzwerkes in Hamburg.

 

Auszug aus der sportwissenschaftlichen Magisterarbeit:

Übergewicht und Adipositas stellen in den westlichen Industrienationen ein zunehmen-des Problem dar (Deeheger et al., 1997; Hill et al., Westerterp, 1999). Laut der Nationa-len Verzehrstudie (NVS, 1991) sind in Deutschland bereits 20 bis 50 % der erwachse-nen Bevölkerung übergewichtig oder adipös. Die Prävalenz von Übergewicht und Adi-positas ist altersabhängig gestaffelt: 18-34jährige: 22%übergewichtig und über 3% adi-pös, 35-54jährige: bis zu 45% übergewichtig und knapp 9% adipös, 55-74jährige: 50% übergewichtig und mehr als 11% adipös (NVS, 1991). Den Zahlen von Seidell (1995) zufolge sind in Westeuropa (inkl. Deutschland) 15-20% der Erwachsenen adipös, und für die Zukunft wird eine steigende Tendenz prophezeit. Damit ist fast jede zweite Per-son in Deutschland übergewichtig und jede sechste adipös (vgl. Wirth, 1997). Schät-zungen zufolge gehen jährlich 10 Milliarden Euro an Kosten zu Lasten des Gesund-heitssystems infolge ernährungsabhängiger Krankheiten wie Diabetes mellitus, Hyper-tonie, Hyperlipoproteinämie und Arteriosklerose (vgl. Schneider, 1996). Besonders in Deutschland sind präventive und therapeutische Maßnahmen von größter Notwendig-keit, da Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern die höchste Präva-lenz der Adipositas aufzuweisen hat. Statistiken belegen, dass 1% der Bevölkerung als extrem adipös, 16% als adipös und 40% als übergewichtig bezeichnet werden können. (vgl. Wechsler, 1997). Für die Adipositasprävalenz im Kindesalter sind die Zahlen da-gegen uneinheitlich. Krawinkel (1996) gibt eine Prävalenz von 5,8% in einem unter-suchten Kollektiv (5-7jährige Kinder) für Schleswig-Holstein an. Nach Zahlen der „Kieler Adipositaspräventionsstudie“ (KOPS) waren in Kiel in den Jahren 1996/1997 bereits 23,2% der Schulanfänger im Alter zwischen 5-7 Jahren übergewichtig bzw. adi-pös. (Mast et al., 1998). Die unterschiedlichen Prävalenzangaben beruhen in erster Linie darauf, dass sich eine Definition der Adipositas im Kindesalter schwieriger gestaltet als bei Erwachsenen (Dietz et al., 1990). Krawinkel (1996) stufte Kinder beispielsweise erst ab einem Gewicht über der 97,5 Gewichtsperzentile als übergewichtig ein. KOPS hin-gegen verwendete die 90. Triceps-Hautfalten-Perzentile als Grenzwert („cut of“) zur Definition der Adipositas (Mast et al., 1998). Zusätzlich bestand in den letzten Jahren keine Einigkeit darüber, ob das Körpergewicht, die Triceps-Hautfalte (TSF), der Body-Mass-Index (BMI) oder die Fettmasse (FM) der Kinder als Definitionsparameter der kindlichen Adipositas dienen sollten. Konsens ist in den Studien allerdings dahingehend festzustellen, dass auch die Adipositasprävalenz im Kindesalter stetig zunimmt.

Die meisten übergewichtigen Erwachsenen sind seit ihrer Kindheit übergewichtig oder adipös (vgl. Müller et al., 1996), und eine Adipositas in der Kindheit geht mit einem er-höhten Risiko für die typischen ernährungsabhängigen Krankheiten im Erwachsenenal-ter einher (sofern die Person adipös bleibt), so dass eine Prävention von Übergewicht und Adipositas schon im Kindesalter unabdingbar ist. Die Tatsache, dass Kinder für verhaltenstherapeutische Interventionen leichter zu beeinflussen sind als Erwachsene, spricht für eine frühzeitige Adipositasprävention, so dass Therapiekonzepte für adipöse Kinder und Jugendliche als eine Hauptkomponente der Adipositasforschung anzusehen sind (vgl. ECOG, 1996).
Mehr als die Hälfte der übergewichtigen und adipösen Kinder werden zeitlebens über-gewichtig bleiben, denn aus dicken Kindern werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch dicke Erwachsene. Die Ernährungsmedizinische Beraterin Klaudia Pütz vom Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen hält nach wie vor Fastfood und die mangelnde Bewegung als wesentlichste Ursache für die massive Zu-nahme übergewichtiger Kinder. Die Entstehung einer Adipositas wird aber von vielen Faktoren beeinflusst. Zu beachten sind unter anderem demographische, genetische, so-ziokulturelle, und verhaltensabhängige Faktoren. Eine zu hohe Energiezufuhr sowie mangelnde körperliche Aktivität können ursächlich oder fördernd wirken (vgl. Müller, 1998b, Warschburger et al., 1999). Welche Spuren Fernsehgewohnheiten am kindlichen Körper hinterlassen, zeigte jetzt eine sechsjährige US-amerikanische Studie an 4.069 ausgewählten Kindern. Die Kinderärzte konnten einen direkt proportionalen Zusam-menhang zwischen der Prävalenz der Adipositas bei Kindern und der Dauer des tägli-chen Fernsehkonsums feststellen. Die Studie brachte die Zahl der täglich vor dem Fern-seher verbrachten Stunden mit der Häufigkeit der Adipositas in Beziehung. Die Aus-wertung ergab, dass bei einem Fernsehkonsum von unter einer Stunde pro Tag die Prä-valenz der Adipositas bei 8 Prozent lag, sie steigt mit zwei Stunden Fernsehen auf 10,5 Prozent und mit drei Stunden auf 15 Prozent an. Ab vier Stunden erreicht sie ein Maxi-mum von 18 Prozent. Ab hier scheint ein gewisser Grenzwert erreicht zu sein, da die Adipositashäufigkeit selbst bei mehr als fünf Stunden Fernsehkonsum nicht weiter an-steigt.
Die steigende Adipositasprävaenz ist somit auch auf die körperliche Inaktivität unserer Gesellschaft durch die Automatisierung und Motorisierung zurückzuführen (vgl. Mül-ler, 1998b). Viele Kinder sind heutzutage träge und bewegungsfaul, analysiert Pütz. Sie schauen lieber in die „Röhre" oder surfen im Internet als sich an der frischen Luft zu
bewegen. Viele Eltern manövrieren förmlich ihre Kinder vor den Fernseher, um sie zu-mindest für einige Stunden ruhig zu stellen. Der Teufelskreis beginnt bereits, wenn El-tern die Kinder bis vor die Schulpforte mit dem Auto fahren, anstatt sie mit dem Fahr-rad fahren zu lassen. In den Pausen übernimmt dann der Gameboy die einstige Rolle des Fußballs.
Die deutschen Kinder wachsen aber auch in einer Gesellschaft auf, deren Essgewohn-heiten sich grundlegend geändert haben. Viele Schnellrestaurants und „Fritten-Buden“ locken Kinder und Jugendliche mit schnellen Snacks auf die Hand. Zu Hause greifen immer mehr arbeitstätige Mütter zu „Convenience-Produkten" wie 5-Minuten-Terrinen, Ravioli aus der Dose, Nudelgerichten aus der Tüte oder Tiefkühl-Fertig-Lasagne, die in wenigen Minuten verzehrsfertig sind.
Bei der Adipositas handelt es sich um eine chronische Erkrankung(vgl. Sailer, 1998). Bei Kindern ist Übergewicht weit mehr als ein ästhetisches oder kosmetisches Problem - denn bereits in jungen Jahren sind sie gefährdet, zahlreiche Begleit- und Folgekrank-heiten wie Bluthochdruck (Hypertonie) und Gicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Dia-betes mellitus Typ II oder ein Schlafapnoe-Syndrom zu entwickeln (vgl. Müller, 1998b, Hauner et al., 2000). Orthopädische Probleme an Füßen, Hüft- und Kniegelenken, Hal-tungsschäden, ein beschleunigtes Wachstum und bei Jungen die Brustbildung (Gynä-komastie) belasten die Kinder zusätzlich. Ähnlich gravierend wie die gesundheitlichen Gefahren für den Leib ist die Stigmatisierung, die dicke Kinder und Jugendliche erfah-ren. Sie werden gehänselt und an den Rand der Gesellschaft gespült. Bereits im Kindes-alter besteht Handlungsbedarf, betont Klaudia Pütz vom DIET. Vor dem Hintergrund der alarmierend hohen Zahl übergewichtiger Kinder appellieren die DIET-Ernährungsexperten, mehr auf körperliche Aktivität von Kindern zu achten und ein ge-sundes Ernährungsverhalten vorzuleben. Gesunde Ernährung müsste selbstverständlich in Großküchen und Kantinen sein und einen entsprechend niedrigen Preis haben. Pro-gramme zur Ernährungserziehung und Gesundheitsförderung müssten in Kindertages-stätten und Grundschulen einen festen Bestandteil ausmachen. Unter Betrachtung der oben genannten steigenden Zahlen adipöser Erwachsener und Kinder sowie daraus re-sultierender Begleit- und Folgekrankheiten, ist zu erkennen, wie wichtig die Prävention bzw. die Therapie der Adipositas ist. Eine frühzeitige Behandlung ist nötig, da adipöse Kinder und Jugendliche mit steigendem Alter einer größeren Gefahr ausgeliefert sind, auch adipöse Erwachsene zu werden (vgl. Goran et al., 1995).
Unter der Bezeichnung „Moby Dick Hamburg“ des Präventionszentrum Dr. Christiane Petersen in Hamburg wird eine mehrfaktorielle Therapie für übergewichtige und adipö-se Kinder über einen Zeitraum von jeweils 12 Monaten durchgeführt. Es soll den Kin-dern insbesondere aufgezeigt werden, wie sinnvoll eine Veränderung der Verhaltensge-wohnheiten, die das Übergewicht und Adipositas erwiesenermaßen verstärken, sein kann. Hierbei spielen die „Eckpfeiler“ Ernährungsberatung und Sporttherapie, unter der Aufsicht von qualifizierten Ökotrophologen und Sportlehrern, eine bedeutende Rolle. Daneben wird durch sozialpädagogische Rollenspiele zum Thema "Hänseln" mit Vi-deoeinsatz unter Anleitung einer Psychologin die Persönlichkeitsstärkung gefördert. Durch vier- bis sechswöchige Treffen der Eltern mit den Gruppenleitern werden auch Mutter und Vater in die Therapie mit einbezogen. Jeweils drei medizinische Untersu-chungen innerhalb des „Therapiejahres“ ermitteln den Gesundheitszustand und die kör-perlichen Veränderungen der Patienten.
Die Bestandteile der Therapie sind in Abb. 1 dargestellt.
Persönlichkeitsstärkung
„Moby Dick-The-rapie“
Sporttherapie
Informationen für Eltern
Ernährungsberatung
Medizinische Untersuchungen
Abb. 1: Inhalte der „Moby Dick-Therapie“ im Präventionszentrum Dr. Christiane Petersen in Hamburg
In der vorliegenden Arbeit wird eine Gruppe übergewichtiger und zum größten Teil a-dipöser Mädchen und Jungen im Alter von 7-17 Jahren auf Veränderungen hinsichtlich der gesundheitlichen Lebensqualität und des Ernährungszustands untersucht. Hierbei werden auf körperliche sowie psychische Veränderungen eingegangen, die auf die „Moby Dick-Therapie“ zurückzuführen sind. Eine Gruppe von Mädchen und Jungen, die sich zwar für die „Moby Dick-Therapie“ angemeldet aber letztendlich nicht teilge-nommen haben, dient zum Vergleich als Kontrollgruppe.
Folgende Fragen sind dabei von besonderem Interesse:
1. Hat sich die Therapie hinsichtlich der gesundheitlichen Lebensqualität positiv auf die Kinder und Jugendlichen ausgewirkt?
2. Hat sich die Therapie positiv im Hinblick auf den Ernährungszustand der Kinder und Jugendlichen bewährt?
3. Ist es den Kindern und Jugendlichen nach der Therapie eher möglich besser mit ihrer Krankheit umzugehen ?
4. Gibt es sonstige, bedeutende psychische, körperliche oder gesellschaftliche Verände-rungen, die auf die Therapie zurückzuführen sind ?
Diese Fragen gilt es in der vorliegenden Arbeit zu beantworten.

 

DateinameMagisterarbeit - Adipoese Kinder im Sport.pdf
Dateigroesse2.05 MB
Dateityppdf (Dateityp: application/pdf)
ErstellerJan Hendrik Kummert [Profil anschauen und weitere Downloads des Users suchen]
Erstellt am 28.07.2009 10:12
BetrachterJeder
Zugriffe777 Zugriffe
Zuletzt geaendert 07.09.2010 13:56
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