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Wissenschaft beim Deutschen Fußball-Bund Bericht als PDF-Datei anzeigen Diesen Bericht drucken
Geschrieben von Jan-Hendrik Kummert   
 
am 15-09-2010 18:13

DFB-Jugend.jpgEin Dossier über die wissenschaftliche Arbeit des Deutschen Fußball Bunds (DFB)

Inhaltsverzeichnis

Zur Arbeit der AG Wissenschaft beim DFB

Forschung für den Fußball im DFB

1 Grundlegende Fragen des Fußballs und seine Stellung in der Gesellschaft

2 Training und Wettkampf im Leistungsfußball

3 Sportmedizin

4 Umfeld des Fußballs (einschl. des Leistungsfußballs)

5 Sportanlagen/Sportgeräte

Strategische Forschungsschwerpunkte

Regularien für die Begutachtung von Forschungsförderung

1 Forschungsförderung

2 Prozessbegleitende Forschungsförderung (Betreuungsprojekte)

3 Gesamtbeurteilung

4 Gutachten zu Forschungsanträgen

5 Gutachten zu Betreuungsprojekten

Koordination

Zur Arbeit der AG Wissenschaft beim DFB

Fußball bedarf der wissenschaftlichen Unterstützung – in seiner vollen Breite, auch aus dem Kanon aller wissenschaftlichen Disziplinen. Dies ist ein Programmansatz!
Wer national und insbesondere international im Sport erfolgreich bleiben will, muss auf wissenschaftliche Erkenntnisse, auf Forschung und Entwicklung setzen. Das gilt auch für den Fußball. So hat der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme zur Förderung des Sports explizit auf die Forschungsförderung verwiesen. Dabei hat der Wissenschaftsrat gefordert, dass eine zielgerichtete sportwissenschaftliche Forschung von hoher wissenschaftlicher Qualität eine wichtige und notwendige Basis ist, um dem Spitzensport beim Erhalt und Ausbau seiner internationalen Konkurrenzfähigkeit zu helfen. Auch die von den Spitzenverbänden des Sports vertretene Politik bedarf hochwertiger,wissenschaftlicher Entscheidungshilfen für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben. Fußball bedarf vielfältiger Hilfe – als Sportart und als Organisation, als Breiten- und Schulsport, als Freizeit- und Alterssport. Besonders wichtig scheinen die Erkenntnisse für den Leistungsfußball, der national, aber auch international die Marke des Deutschen Fußball-Bundes ist. So kann man in Anlehnung an die Augsburger Thesen zur wissenschaftlichen Unterstützung des Spitzensports in Deutschland (September 2004) folgende Forderungen aufstellen:
 

Der Fußball – als Sportart und als Organisation – ist auf verstärkte wissenschaftliche Unterstützung angewiesen, um seine nationale Stellung zu festigen und international konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei umfassen wissenschaftliche Hilfen für den Fußball ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Aktivitäten. Dabei muss insbesondere auf Interdisziplinrarität und Umsetzbarkeit geachtet werden. Um eine ressourcenverträgliche wissenschaftliche Unterstützung sicher zu stellen, bedarf es der Kontakte zu möglichst vielen Arten wissenschaftlicher Einrichtungen. Nur so kann das Beste mit den gegebenen Möglichkeiten erreicht werden. Auf der Basis dieses Befundes hat der DFB unter Leitung des Beauftragten für Wissenschaft des DFB eine Koordinierungsstelle eingerichtet, deren Aufgabe es ist,
Erkenntnisse und Entwicklungen aus dem wissenschaftlichen Bereich abzugreifen und für die Organisation des Wissenstransfers zu sorgen.

Leistungsphysiologie/Trainingswissenschaft, Ansprechpartner: Prof. em. Dr. W. Kindermann
Beispiele: Verletzungsprophylaxe und Rehabilitation, Leistungsphysiologie, Gesundheit und Fußballtauglichkeit, Ernährung und Substitution, Medikamente im Fußball, Ansprechpartner: Prof. Dr. E. Emrich, Beispiele: Untersuchungen zu VereinDFB-Jugend.jpgen / Verbänden, Untersuchungen zur Qualifizierung u.a., Ansprechpartner: Prof. Dr. Dr. h.c. D. Schmidtbleicher,
Beispiele: Projekte wie Fußball, interdisziplinär, Spezifische Trainingsprogramme, Einfluss der muskulären Gelenkstabilität bei Fußballspielern
Medizin Bewegungswissenschaft /Sportpsychologie / Fußballmethodik/Sozial-u. Verhaltenswissenschaft, Ansprechpartner: Prof. Dr. O. Höner, Beispiele: Kognitive und motivationale Aspekte im Fußball, Sportwissenschaftliche Begleitung des Talentförderprogramms Koordinierungsstelle Wissenschaft, DFB-Beauftragter für Wissenschaft: Dr. M.-P. Büch

Mit dem Beauftragten für Wissenschaft verantworten vier Ansprechpartner aus den Bereichen:

• Medizin
• Bewegungswissenschaft, Sportpsychologie, Fußballmethodik
• Sozial- und Verhaltenswissenschaft
• Leistungsphysiologie / Trainingswissenschaft

Das wissenschaftliche Programm und eventl. Förderempfehlungen.
Abb. 1: Organisationsstruktur der Koordinierungsstelle Wissenschaft beim DFB Die AG Wissenschaft beim DFB, die seit 2008 arbeitet, hat die hier vorgestellten Programme und die Richtlinien zur Beurteilung von Fördervorhaben verabschiedet. Mit diesen Programmen sollten Orientierungshilfen für die Wissenschaft und Forschung gegeben werden. Es ist zu wünschen, dass diese Programme auch Anreiz für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bieten, Fragen um den Fußball aufzugreifen und wissenschaftlich basierten Lösungen zuzuführen.

Forschung für den Fußball im DFB

 

1 Grundlegende Fragen des Fußballs und seine Stellung in der Gesellschaft

Fußball ist – wegen seiner Popularität – Teil der Gesellschaft und damit auch offen für gesellschaftliche Sinndeutungen. Aber warum ist der Fußball so populär? Sind es das Spiel, die Regeln, die spielerischen Zufälle, die Organisation, die den Fußball prägen? Hinter diesen Aussagen stehen wichtige Fragen, die um so stärker einer Klärung bedürfen, wenn man Entwicklungsprozesse steuern will. Spitzenfußball, Leistungsfußball, Breitenfußball, Freizeitfußball und ergänzende Formen des Fußballspieles binden Ressourcen und stehen in Konkurrenz.

Beispiele für weiterführende Arbeiten sind:

• Position und Funktion des Spitzenfußballs in der Gesellschaft
• Position und Funktion des Breitenfußballs in der Gesellschaft;
• Bedeutung des Fußballs in unterschiedlichen Lebenspositionen (Geschlecht, Alter, gesellschaftliche Stellung, Ausbildung, Beruf)
• Organisation des Fußballs, Professionalisierung und Kommerzialisierung
• Rolle des Fußballs im Vergleich zu anderen Sportspielarten und Sportarten in der Gesellschaft

2 Training und Wettkampf im Leistungsfußball

2.1 Trainingswissenschaftliche Grundlagen

Unabdingbar für wissenschaftlich basierte Interventionsstrategien im Leistungsfußball sind Untersuchungen zu den Leistungsvoraussetzungen, dem Aufbau unterschiedlicher Systeme zur Erfassung von Ergebnissen im Leistungsfußball und zu den Auswirkungen von Interventionsstrategien.

Beispielhaft ergeben sich folgende Problembereiche:

• Leistungsdiagnose und Leistungsprognose im Fußball, insbesondere auch Probleme der Talententwicklung
• Weiterentwicklung der Methoden der Sportspielbeobachtung
• Fußballspezifische Funktions- und Strukturanalysen von Kraft-, Ausdauer- und Schnelligkeitsfähigkeiten sowie der Flexibilität und der Koordination
• Belastbarkeit und Regeneration, insbesondere Suche nach Parametern
• Grundlegende Fragen zur Prävention und Rehabilitation
• Entwicklung und Evaluation psychologischer Interventionsstrategien

2.2 Steuerung im Leistungsfußball

Zur systematischen Erfassung von Einflussgrößen auf die mittelbare und die unmittelbare Wettkampfvorbereitung sowie zur Steuerung des Trainings haben sich Rahmentrainingspläne als nützlich erwiesen; insbesondere die Trainingspraxis hat Bedarf an solchen Plänen. Von daher sollten seitens der Trainingswissenschaft fundierte Handlungsempfehlungen elaboriert werden. Beispiele für Fragestellungen sind:

• Fundierung von Trainingsplänen in technischer, taktischer, konditioneller Sicht sowie deren Kombination zur Entwicklung einer komplexen Spielfähigkeit
• Interventionsmaßnahmen im Training und Auswirkungen auf den Wettkampf
• Probleme der Vorbereitung des Trainings auf eine Saison und sportliche Großereignisse (Periodentraining)
• Fragen der Individualisierung des Trainings im Mannschaftsspiel Fußball
• Suche nach Erkenntnissen über Steuerung und Regelung aus anderen vergleichbaren Teamsportarten

2.3 Nachwuchsfußball

Es ist hinreichend bekannt, dass der Übergang vom Junior zum Senior eine schwierige Stelle in der sportlichen Entwicklung des Athleten darstellt. Aber auch die Erkenntnis, dass Nachwuchstraining im Fußball kein auf Jugendliche reduziertes Seniorentraining sein soll, hebt die Bedeutung des Trainings und Wettkampfs im Nachwuchsfußball hervor.

Aus den umfangreichen Fragen sind beispielhaft zu nennen:

• Entwicklung altersspezifischer Trainings- und Wettkampfformen und Wettkampforganisationen (Evaluation von Wettkampsystemen)
• Problem der Talentsuche, der Talentfindung, der Talentbewahrung (vgl. auch oben)
• Strategien zur Vermeidung von negativen Auswirkungen des Trainings und des Spiels auf die Entwicklung des Jugendlichen
• Überprüfung von Training und Spiel unter pädagogisch-didaktischen Aspekten
• Soziokulturelle Bedingungen und Auswirkungen von Training und Spiel auf Jugendliche Wissenschaft beim DFB

2.4 Bewegungslernen, motorische und sportliche Entwicklung

Technische Fertigkeiten bilden im modernen Fußball ein Schlüsselelement: Wie kann man Technik vermitteln, wie kann man technische Fertigkeiten am besten aufnehmen, wie kann man technische Fertigkeiten im Spiel am besten entfalten? Dies sind Fragestellungen von grundlegender Bedeutung, aber auch von hoher Bedeutung für die Trainingspraxis. Dabei sollen Erkenntnisse zum motorischen Lernen in unterschiedlichen Altersstufen und auf verschiedenen Fertigkeitsniveaus generiert werden. Zugleich kommt der sportmotorischen
Entwicklung eine hohe Bedeutung zu. Hier gilt es, gesellschaftliche Einflüsse auf die motorische Entwicklung zu isolieren und die Abhängigkeit sportlicher Leistungsentwicklung darzustellen.

Beispielhafte Fragestellungen sind:


• Neurophysiologische Grundlagen im fußballspezifischen Lernen
• Untersuchungen zur Wahrnehmung, Antizipation und dem motorischen Lernen
• Untersuchung zur Festlegung alters- und gesellschaftsspezifischer Norm zur motorischen Entwicklung
• Messung von Leistungsentwicklung im Fußball

2.5 Frauenfußball

Die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland ist nach der Überwindung von anfänglichen Friktionen eine Erfolgsgeschichte des DFB. Dies kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Frauenfußball – sowohl im Leistungsbereich wie auch im breitensportlichen Bereich - durch wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse weitergeführt werden muss. Insbesondere gilt es, geschlechtsspezifische Besonderheiten aufzuarbeiten und für Interventionen im Training und Wettkampf verfügbar zu machen. Dabei sollten auch mögliche physiologische und psychosoziale Risiken untersucht werden.

Fragestellungen sind zum Beispiel:

• Sportmedizinische Aspekte, besonders im Leistungssport, sowie Fragen der Belastung im Training und Wettkampf
• Untersuchungen zur Vermeidung frauenspezifischer Spätschäden durch Fußball
• Untersuchungen zur spezifischen Betreuung von Fußballerinnen

2.6 Schiedsrichter

Schiedsrichter sind konstitutiver Teil des Fußballspieles, ihre Probleme liegen außerhalb des Sphäre der Organisation, der Spieler und Betreuer, um einige Akteursgruppen zu benennen. Von der Rekrutierung über die Ausbildung bis zur medizinischen und psychologischen Betreuung stellen sich Fragen, die die bereits vorliegenden Erkenntnisse weiter stützen sollen.

Beispielhafte Fragestellungen sind:

• Auswahl und Rekrutierungsprozesse bei weiblichen und männlichen Schiedsrichtern
• Untersuchungen zur physiologischen / psychischen Belastbarkeit von Schiedsrichtern
• Untersuchungen zu technologischen Maßnahmen zur Verbesserung von Schiedsrichterleistungen
• Untersuchungen zum Verhalten der Schiedsrichter im Spiel und gegenüber den beteiligten Akteuren

2.7 Betreuung im Fußball

Betreuung im Fußball reicht von der organisatorischen Betreuung im Verein bis zur spielbedingten Betreuung. Die Akteure sind einerseits die zu betreuenden Mitglieder und Spieler, sowie andererseits die Organisatoren, Trainer und Betreuer. Bei den Untersuchungen zu den Interventionen im Training stehen Fragen der Informationsvermittlung, Informationsaufnahme u. a. im Vordergrund; aber auch personale und gruppendynamische Probleme, die sich aus der Führung ergeben, gilt es zu untersuchen. Daher bedürfen Interaktionsgefüge und günstige Interventionsstrukturen weiterer Untersuchungen.

Beispielhafte Problembereiche sind:
• Beherrschung von Konfliktstrategien in dynamischen Gruppen
• Manager-, Trainer- und Athleten – Interaktionen bei Risiko- und Entscheidungsverhalten
• Untersuchung zur Entwicklung von Rollen bei den Akteuren im Fußball

3 Sportmedizin

Medizinische Aspekte haben im Fußball besondere Relevanz. Erhaltung und Widerherstellung der Gesundheit (Prävention und Rehabilitation) sind von primärer Bedeutung. Das betrifft insbesondere die internistische und orthopädische Sportmedizin. Vor dem Hintergrund einer jahrzehntelangen Tradition in der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik kann der Fußball diesbezüglich Hilfe erwarten, um das konditionelle Profil der Spieler zu beurteilen und weiter zu entwickeln. Daraus können Trainingsempfehlungen im Sinne einer Trainingssteuerung abgeleitet werden, umBelastung und Entlastung adäquat zu dosieren.

Die Aufklärung über gesundheitliche Nebenwirkungen von leistungssteigernden Substanzen (Doping) und Medikamentenmissbrauch gehören zu den vordringlichen Aufgaben des betreuenden Arztes im Fußball. Außerdem gilt es, das breite kommerzielle Angebot von Nahrungsergänzungsmitteln kritisch zu bewerten und einer Polypragmasie entgegen zu wirken. Das entsprechende Wissen ist fortlaufend unter Berücksichtigung von wissenschaftlichen Studien unter Einbeziehung psychologischer, pädagogischer und soziologischer Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu aktualisieren. Beispielhaft werden folgende Forschungsbereiche genannt:

• Optimierung von Gesundheitsstandards und Eignungskriterien zur Beurteilung von Gesundheit und Fußballtauglichkeit
• Studien zur Verletzungshäufigkeit und deren Ursachen im Leistungsfußball
• Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit unterschiedlicher rehabilitativer Maßnahmen
• Weiterentwicklung leistungsdiagnostischer Testbatterien und Beurteilung des Regenerationsbedarfs
• Trainingsstudien zur Wirksamkeit verschiedener Trainingsmethoden
• Belastung und Belastbarkeit des Immunsystems während der Spielsaison
• Ernähung, Substitution und Missbrauch von Medikamenten

4 Umfeld des Fußballs (einschl. des Leistungsfußballs)

4.1 Fußball in der Gesellschaft

Fußball ist eine Sportart und so Teil des Sports, der wiederum Teil unseres gesellschaftlichen Systems ist (vgl. oben). Fußball steht insofern mitten in unserer Gesellschaft, ist mit dem Leben, aber auch mit den Problemen verbunden. Fußball wird nicht nur als Leistungsfußball betrieben, kommerzialisiert, Fußball wird auch von allen gesellschaftlichen Schichten und Geschlechtern in unterschiedlichen Altersgruppen auf unterschiedlichem Leistungsniveau gespielt. Dadurch stellen sich eine Vielzahl von Problemen – von Fragen der Betreuungs-, Trainings- und Wettkampfsystemen bis zu Fragen der Lebensplanung für professionalisierte Fußballer. Für angehende Leistungsfußballer bedarf es Fragen der nachsportlichen Karriere stets im Auge zu haben, wie bereits vorliegende Forschungsergebnisse zeigen.

Beispielhaft wird auf folgende Themenbereiche hingewiesen:

• Entwicklung von fußballadäquaten trainingswissenschaftlich fundierten Fördersystemen
• Fußballspezifische nachsportliche Karrieren (einschließlich Karriereverläufe)
• Untersuchungen zur Fundierung der Anziehungskraft des Fußballs für Jugendliche
• Entwicklungspotentiale für den Breitenfußball

4.2 Massenmedien und Fußball

Fußball verdankt seine Beliebtheit auch den Massenmedien, die den Sport – insbesondere den Fußball - für sich gewonnen haben. In dieser Partnerschaft zwischen Fußball und Medien liegen Chancen und Risiken, da ein Missbrauch des Fußballs die Sportart beschädigen kann. Umgekehrt hat der Fußballsport darauf zu achten, dass er in einer „fußballadäquaten“ Form als „Sportart“ präsentiert wird.

Bereits viele vorliegende Untersuchungen weisen auf entscheidende Fragen hin:

• Notwendigkeit der ständigen Analyse der Sportberichterstattung unter Beachtung der jeweils neuen Informationstechnologien
• Auswirkungen der Einflüsse der Massenmedien auf Spielerauswahl, Trainings- und Wettkampfprozesse
• Untersuchungen zum Rezeptionsverhalten von Zuschauern
• Untersuchungen zur Verbesserung der Erreichbarkeit der Zuschauer mit Breitenfußball und Frauenfußball

4.3 Strukturen von Fußballorganisationen

Die Organisation des Fußballs muss verfasst werden, Abläufe müssen effektiv und effizient gestaltet werden. Vom Dorfverein bis zum Spitzenverband stellen sich Fragen nach der organisatorischen Verfassung, Fragen der Ehrenamtlichkeit und Professionalisierung. Dabei werden auch Organisationsmodelle zu prüfen sein, die dem Trainer als „Vereinsmanager“ bei ansonsten ehrenamtlicher Vereinsführung weitere Aufgaben überträgt.

Beispielhaft zu nennen sind:

• Frage nach Vereins- oder anderer Rechtsform
• Fragen der Professionalisierung (Management, Trainer, Betreuung)
• Fragen des Ehrenamtes im Fußball
• Auswirkungen von Aufbau- und Ablauforganisation auf alte und neue Mitglieder Wissenschaft beim DFB

5 Sportanlagen/Sportgeräte

Auch Fußball braucht Sportanlagen und Sportgeräte. Bei den Sportanlagen stand über viele Jahre die Rasenforschung im Mittelpunkt. Bei den Geräten wurde Ball und Schuhen Aufmerksamkeit gewidmet, aber auch Trainingshilfsgeräten wie Messeinrichtungen (meist zusammen mit anderen Sportarten).

Beispielhafte Fragestellungen aus dem Sportanlagen- / Sportgerätebereich sind:

• Untersuchungen zu Natur- und Kunstrasen; Verträglichkeit aus Sicht des Fußballers
• Auslastungsfragen von Sportanlagen zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit
• Fußballspezifische Fragen zur Sportstättenentwicklung
• Untersuchung zu fußballspezifischen Nachfragen nach Sportanlagenraum
• Untersuchung zur Optimalbestollung des Fußballschuhs: Standsicherheit vs. Drehfreundlichkeit

Bemerkung
Die vorgestellten Fragen eines Forschungsprogramms für den Fußball sollten Hilfe sein; sie sind darauf ausgerichtet, neue Erkenntnisse für einen noch besseren, weil interessanteren Fußball zu schaffen. Besondere Bedeutung haben hier alle Formen der Vermittlung von gesichertem Wissen zur Organisation und zu Inhalten des Trainings sowie der Gewinnung und Betreuung von Athleten. Weiter gilt es, mit Hilfe neuer Informationstechnologien den Adressaten vor Ort die Anwendung neuen Wissens zu erläutern und sie zu motivieren, diese Erkenntnisse zu übernehmen.

Neue Trainingsorganisationen und die Umsetzung neuer Erkenntnisse – also die Anwendung neuen Wissens – muss wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden.

Beispielhaft ergeben sich Untersuchungen nach:

• der Güte von Unterrichtsmaterialien
• der Überarbeitung von fußballspezifischen Materialien auf Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse
• der Einsatzmöglichkeiten neuer Informationstechnologien für Trainer und Athleten
• der zur Verfügungsstellung von Schnell-Informationstechnologien in ausgewiesenen Testsituationen.

Strategische Forschungsschwerpunkte

Auch im Fußball - als Sportart und Organisation - sichert Wissen Vorsprung und schafft so einen Wettbewerbsvorteil. Wer erfolgreich agieren will, muss auch im Fußball nach neuesten Ergebnissen und Erkenntnissen Ausschau halten. Aus diesem Grund wurde eine AG Wissenschaft beim DFB damit beauftragt, Fußballforschung für den DFB zu organisieren. In einem Programm Forschung für den Fußball im DFB hat die AG Wissenschaft beim DFB umschrieben, was den „Fußball“ als Sportart und als Organisation interessieren muss und
sollte. Offen geblieben ist dabei, mit welchen Ressourcen welche Aufgabenfelder prioritär anzugehen sind. In den hier vorliegenden Strategischen Forschungsschwerpunkten werden diese Aufgabenfelder benannt und darüber hinaus durch beispielhafte Forschungsfragen verdeutlicht. Leitlinien für diese Strategischen Forschungsschwerpunkte liefert das Programm Forschung für den Fußball im DFB.

Es ist hinlänglich bekannt, dass benötigtes Wissen und Erkenntnisse oft erst am Ende eines langen Weges zur Verfügung stehen können. Daher müssen heute die Fragestellungen und Probleme von morgen antizipiert werden, um die Forschung anzustoßen. Des Weiteren gilt es festzustellen, in welchen Bereichen Erkenntnisinteresse besteht, um so mögliche Partner aus wissenschaftlichen Einrichtungen zu gewinnen und um Synergien zu schaffen. Mit den Strategischen Fußballschwerpunkten werden mögliche Problemfelder und Fragen
um den „Fußball“ aufgegriffen, analysiert und im Hinblick auf den Beitrag zur Weiterentwicklung des Fußballs geprüft. Dabei wurden auch die Diskussionen um die Unterstützung des Spitzensports – wie sie im Memorandum der Sportwissenschaft, den Augsburger Thesen der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und den Leipziger Thesen zum Nachwuchsleistungssport formuliert sind – berücksichtigt. Darüber hinaus werden mit den Strategischen Forschungsschwerpunkten verschiedene Ziele formaler und inhaltlicher Art verbunden:

• Bekanntgabe, was interessiert, damit zugleich deutlich wird, wer dazu beitragen kann, mögliche Problemlösungen zu finden;
• Einladung an Interessierte, an den Problemen des Fußballs mitzuarbeiten, um den Austausch zwischen Fußballpraxis und Wissenschaft im Interesse der Weiterentwicklung des Fußballs zu fördern

• Ständige Prüfung und Überprüfung von Interventionsmaßnahmen, um so leichter Verbesserungsvorschläge zu initiieren.

Für die Fußballforschung sind aus derzeitiger Sicht – es ist unbestritten, dass die Strategischen Forschungsschwerpunkte einer stetigen Anpassung bedürfen – folgende Forschungsfelder von Interesse:

1. Trainings- und Wettkampfbereich (Trainingsgestaltung, Verletzungsprophylaxe, Mess- und Analyseverfahren, u.a.)
2. Nachwuchsleistungsfußball (Leistungsentwicklung, Belastbarkeit, Rahmenbedingungen, u.a.)
3. Breiten- und Schulfußball (Angebotsformen, Qualität, Spielbetrieb, u.a.)
4. Fußballorganisation (Leistungserstellung, Arbeitsteilung, Personal, Finanzen, u.a.)
5. Wissenstransfer (Aufbereitung, Vermittlung, u.a.)

Regularien für die Begutachtung von Forschungsförderung

Bei der Begutachtung von Forschungsanträgen und / oder Zuwendungen zur Forschungsförderung ist es unumgänglich, dass das infrage stehende Vorhaben vorab einer Begutachtung zu unterziehen ist. Die Begutachtung sollte neben der internen Begutachtung auch von Fachkollegen durchgeführt werden. Zwischen Forschungsanträgen und prozessbegleitender Forschungsförderung sollte dabeiunterschieden werde.

1 Forschungsförderung

Formalia

• Antragsteller (Adresse Institut / Universität / Organisation)
• Thema
• beantragte Summe (nach Jahren aufgeteilt) Kriterien für die Begutachtung von Forschungsanträgen

Inhaltliche Beurteilung:

• Problemformulierung
• Beschreibung des Forschungsdefizits / Entwicklungsdefizit,
• Forschungsansatz, Forschungsmethode, technischer Lösungsweg Beurteilung des Rahmens:
• Kosten-Nutzen-Relation (Frage nach den Kosten des Projektes im Hinblick auf das mögliche Ergebnis)
• Gewähr der Durchführung (Bietet der Forschungsnehmer wirklich Gewähr für die erfolgreiche Durchführung des Vorhabens? Hat der Forschungsnehmer Erfahrung auf diesem Gebiet?)
• Zusammenarbeit mit Praxispartnern, Transferaspekte, Nachnutzbarkeit der Ergebnisse (Hier sind zwei Aspekte zu berücksichtigen: Zusammenarbeit mit der Praxis bei der Durchführung des Projektes; Zusammenarbeit mit Praxis bei der Umsetzung der Ergebnisse)

Gesamtbeurteilung:

Angabe, ob Forschungsvorhaben so durchgeführt werden soll, oder ob ggf. Änderungen – auch hinsichtlich der Zuwendungen – empfohlen werden.

2 Prozessbegleitende Forschungsförderung (Betreuungsprojekte)

Formalia
• Antragsteller (Adresse, Institut / Universität / Organisation)
• Thema
• beantragte Summe (nach Jahren aufgeteilt) Kriterien für die Begutachtung von Forschungsanträgen

Inhaltliche Beurteilung:
• Zielsetzung des Projektes (Darlegung des theoretischen Ansatzes, Arbeitshypothesen; Darlegung bisheriger Erkenntnisse aus Vorläuferprojekten)
• Darlegung der Verknüpfung von Forschungsanteil und Einsatz der Methoden in der Praxis
• Darlegung des derzeitigen Erkenntnisstandes
• Zusammenarbeit mit Partnern

Gesamtbeurteilung:
Angabe, ob Forschungsvorhaben so durchgeführt werden soll, oder ob ggf. Änderungen – auch hinsichtlich der Zuwendungen – empfohlen werden.

3 Gesamtbeurteilung
Die Gesamtbeurteilung sollte den DFB in die Lage versetzen, eine gestützte Entscheidung abzugeben. Dabei sollte auch die Bedeutung durch die Gesamtbeurteilung angesprochen werden. Von daher wird empfohlen, folgende Urteile auszusprechen:

• unbedingt zu fördern: Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Vorhaben zu neuen Ergebnissen kommen wird, die von hohem Nutzen für den DFB sein werden.
• zu fördern: Es handelt sich um ein solides Vorhaben.
• mit Auflagen zu fördern: Vorhaben ist in vorliegender Form nicht zu fördern, aber die Fragestellung ist wichtig, aber es müssen Änderungen am Projektdesign und / oder bei den Mitteln vorgenommen werden.
• nicht zu fördern: Fragestellung nicht wichtig, Ansatz nicht einschlägig u.a.

4 Gutachten zu Forschungsanträgen

Antragsteller:
Kurzbezeichnung des Vorhabens:
Beantragte Summe für das erste Jahr:
Beantragte Summe für weitere Jahre:

1. Inhaltliche Beurteilung
1.1 Problemformulierung
1.2 Bedeutung der Fragestellung für die Sportart Fußball / Forschungsdefizit / Entwicklungsdefizit
1.3 Forschungsansatz / Forschungsmethode / Technischer Lösungsweg
1.4 Kosten-Nutzen-Relation
1.5 Gewähr der Durchführung / Bisherige Arbeiten des Antragstellers o. der Arbeitsgruppe / Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Verbänden
1.6 Zusammenarbeit mit Praxispartnern / Transferaspekte / Nachnutzbarkeit
1.7 Gesamtbeurteilung (Note)
1.8 Evtl. Anmerkungen (z.B. Fördervolumen) / Anregungen / evtl. Auflagen Name des Gutachters, Ort, Datum, Unterschrift

5 Gutachten zu Betreuungsprojekten

Antragsteller:
Kurzbezeichnung des Vorhabens:
Laufzeit:
1.1 Berichterstattung zu Erfahrungen aus abgeschlossenen Projekten
1.2 Zielsetzung des Projektes, Arbeitshypothese, theoretischer Ansatz
1.3 Untersuchungsmethodisches Vorgehen (Forschungs- und Betreuungsanteil u.a.)
1.4 Zusammenarbeit mit Partnern
1.5 Gesamtbeurteilung (Note)
1.6 Evtl. Anmerkungen (z.B. Fördervolumen) / Anregungen / evtl. Auflagen Name des Gutachters, Ort, Datum, Unterschrift

Koordination

Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen oder/und für das Einreichen von Forschungsanträgen an:

Deutscher Fußball-Bund
Abteilungsleiter Ulf Schott
Otto-Fleck-Schneise 6
60528 Frankfurt am Main
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
Tel.: 069-6788-450

 

Letztes Update: 26-10-2010 11:11

Veröffentlicht in : Fußball (aus wissenschaftlicher Sicht), Fußball (wissenschaftliche Beiträge)
Schlüsselworte : wissenschaft dfb, sportwissenschaft fussball, deutscher fussball bund wissenschaft, uni zusammenarbeit dfb, forschung dfb, ag wissenschaft dfb

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